Gut gekühlt
"Kühlschränke von heute bieten allerlei Finessen. Die technische Weiterent- wicklung schreitet rasant voran. Doch zunächst war jahrhundertelange For- schung nötig, um überhaupt künstliche Kühlung zu erzeugen."
Ein Leben ohne Kühlschrank: für die meisten von uns heute kaum noch vorstellbar. Zu sehr sind wir daran gewöhnt, stets kühle Getränke zur Verfügung zu haben und noch wochenlang von dem einen Großeinkauf zehren zu können. Sogar Milchprodukte, Obst und Gemüse sind heutzutage über Wochen konservierbar, was einerseits an der Weiterentwicklung der Produkte selbst, aber natürlich auch an den technisch ausgefeilten Möglichkeiten der Kühlschränke liegt.
Vom Berg in den Keller
Was wir heute als selbstverständlich empfinden, war lange Zeit schier unmöglich oder mit großem Aufwand verbunden. Zwar ist schon seit Jahrtausenden bekannt, dass Kühlung Nahrungsmittel länger frisch hält, doch diese Kühlung konnte nicht künstlich erzeugt werden. Bereits in der Antike wurden daher große Mengen Eis aus den Bergen in tiefe Keller transportiert, in denen Nahrungsmittel gelagert wurden. Über lange Zeit konnten nur die natürlichen – und extrem vergänglichen – Eisvorräte aus dem Winter und den höheren Lagen zur Kühlung eingesetzt werden. Das wirkte sich direkt auf die Ernähr ungsgewohnheiten aus. Getrocknetes, Geräuchertes, Gepökeltes – alles, was auf andere, einfachere Art und Weise konserviert werden konnte, war verbreitet. Und auch heute noch sind in Gegenden der Welt, wo bei Weitem nicht jeder Haushalt über einen Kühlschrank verfügt, die getrockneten Versionen von Obst und Gemüse, ja sogar getrocknetes Fleisch oder Fisch, sehr beliebt.
Der Eismann kommt
Nachdem Eiskeller lange Zeit
nur in Burgen und Schlössern
zu finden und damit der absoluten
Oberschicht vorbehalten
waren, entwickelte sich das
System des „Eismannes“, der
aus Kühlhäusern oder Kühlkellern
große Eisblöcke an Haushalte und
Geschäfte verteilte. Sie wurden genutzt,
um den Vorgänger des Kühlschranks, den
Eisschrank oder Eiskasten, zu befüllen.
Dabei handelte es sich um eine Konstruktion
mit zwei Fächern. In dem einen – mit
Blech isoliert – wurde das Eis eingelagert,
in dem anderen wurden die zu kühlenden
Speisen aufbewahrt. Das Tauwasser wurde
aufgefangen.
Auf diesem System basierende Eisschränke
aus Holz hielten sich sogar bis
Mitte des 20. Jahrhunderts. Dabei hatten
die Bestrebungen, Kühlung künstlich zu
erzeugen, schon lange vorher begonnen.
Den ersten Erfolg verbuchte schon
zwei Jahrhunderte zuvor der Schotte
William
Cullen an der Universität Glasgow,
der 1756 eine kleine Menge Eis durch
einen chemischen Prozess herstellte. Bis
zur Mitte des 19. Jahrhunderts konzentrierte
sich die Forschung auf Kühlung
durch Luftkompression. 1860 erhielt der
Franzose Ferdinand Carré ein Patent auf
das Kühlen mit Ammoniak. Auf dieser
Grundlage entwickelte der deutsche
Wissenschaftler
und Ingenieur Carl von
Linde 1876 das erste industrietaugliche
Kühlsystem.
Doch Ammoniak ist ätzend,
giftig
und übel riechend. Die Kühlschränke
konnten daher in Privathaushalten
nicht zum Einsatz kommen.
Der Umwelt zuliebe
Den Durchbruch für die private Nutzung
brachte erst die Entdeckung von Fluorchlorkohlenwasserstoff
(FCKW) als Kühlflüssigkeit
– und das lange, bevor die
Ozon schädigende Wirkung von FCKW
bekannt wurde. In Chicago wurde 1913
der erste Kühlschrank für den Hausgebrauch
verkauft. Bereits 1937 hatte in
den USA jede zweite Familie einen Kühlschrank.
Erkenntnisse über den Treibhauseffekt
und die Entdeckung des Ozonlochs
trieben vor allem während der
Achtzigerjahre die Forschung nach alternativen
Chemikalien voran. Das sächsische
Unternehmen dkk Scharfenstein
stellte 1992 den ersten FCKW-freien
Kühlschrank
vor, und schon ab 1995
durfte
FCKW als Kühl- und Isoliermittel
nicht mehr eingesetzt werden.
Auch die weitere Entwicklung wurde
unter anderem von Umweltgesichtspunkten
getrieben. Seit 1997 werden alle Kühlund
Gefriergeräte mit den Energieeffizienzklassen
A bis G gekennzeichnet, und
der Energieverbrauch der Geräte konnte
beispielsweise durch stärkere Isolierungen
und automatisches Abtauen deutlich
gesenkt werden. Kühlgefrierkombinationen
mit Energieeffizienzklasse A++
sind keine Seltenheit mehr. Die sogenannte
No-Frost-Technik, die verhindert,
dass sich im Innern Eis bilden kann, ist
für Kühlschränke längst Standard und
mittlerweile selbst für den Gefrierbereich
zu haben. Da Eisbildung den Energieverbrauch
erhöht, ersparen einem die Geräte
mit No-Frost-Technik nicht nur das lästige
und aufwendige Abtauen, sondern senken
auch den Stromverbrauch und damit
die Betriebskosten. Ein weiterer Clou moderner
Geräte: Eiswürfel und gekühltes
Trinkwasser landen auf Knopfdruck direkt
im Glas, ohne dass man den Kühlschrank
überhaupt öffnen müsste. Möglich
macht es eine Klappe in der
Kühlschranktür.
Clevere Kühlung
Optimal nutzt man die Kühlung des modernen Kühlschranks außerdem, wenn man sich an den Temperaturzonen im Innern orientiert: Oben ist es stets am wärmsten. Daher bietet sich die oberste Ablage für haltbare Lebensmittel wie Saucen oder Marmeladen an. Milchprodukte gehören in den mittleren Bereich. Auch die Türfächer sind eher warm, eignen sich aber gut zur Aufbewahrung von Butter, Eiern und Getränken. In das unterste Fach über den Gemüseschubladen gehören die Lebensmittel, die am schnellsten verderben wie zum Beispiel Fleisch, Wurst und Fisch. Denn hier ist es am kühlsten. In den speziellen Schubfächern für Obst und Gemüse sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit so abgestimmt, dass Vitamine möglichst lange erhalten bleiben. Hochwertige Modelle der neuen Generation bieten einen separaten Bereich an, bei dem die Temperatur nur leicht über 0 Grad Celsius liegt und die Luftfeuchtigkeit gesteuert werden kann. Obst, Gemüse, aber auch Fleisch kann so dreimal länger aufbewahrt werden als in einem herkömmlichen Kühlschrank – ein Luxus, der sich meist hinter markenspezifischen Schlagworten wie „biofresh“, „longfresh“ oder „vitafresh“ verbirgt. Wer es noch innovativer möchte, bekommt seine Obst- und Gemüsefächer heute auch mit LED-Leuchten ausgestattet. Die Dioden leuchten auch bei geschlossener Tür und simulieren den Blauund Grünanteil des Sonnenlichts. Da Vitamine in Obst und Gemüse bei Dunkelheit abgebaut werden, soll dieser Mechanismus den Vitaminerhalt sicherstellen und damit dafür sorgen, dass unsere Lebensmittel nicht nur lange genießbar, sondern auch lange gesund bleiben.

